Kaplan Kruse löste Postmeister Lübbers als ersten Vorsitzenden ab. Dem engagierten Geistlichen war es sehr daran gelegen, dass die Emsbürener Jugend in nicht beständigen und wenig wohlhabenden Zeiten durch den Sport in sich gefestigt wurde. Deshalb fügte er Concordia in die katholische Jugendorganisation DJK (=Deutsche Jugendkraft) ein.
Concordia im Nationalsozialismus – zur Bedeutungslosigkeit verdammt
Im Rahmen der Gleichstellung durch die Nationalsozialisten wurden ab 1933 auch die kirchlichen Organisationen, und damit auch die DJK verboten. Durch diese Vereinnahmung der alles beherrschenden Ideologie musste sich der Sportverein Concordia quasi auflösen.
Es wurde zwar noch Sport betrieben, aber nicht mehr unter dem Dach eines offiziell organisierten Sportvereins. Mit Anbruch des zweiten Weltkrieges 1939 brach praktisch jede sportliche Aktivität zusammen.
Wiedergründung ab 1945
Die Männer, die gerade zuvor noch als Soldaten im Krieg gedient hatten, kamen sehr schnell auf die Idee, den Sportverein Concordia wieder zum Leben zu erwecken. Den Fußballern unter ihnen „juckte“ es zu sehr in den Beinen. So fand man sich zusammen und gründete den Sportverein Concordia neu.
Es waren aber Zeiten – der Krieg hatte zuviel zerstört, materielle Güter waren kaum zu haben-, wo Improvisation gefragt war. Da die Sport-Infrastruktur noch nicht aufgebaut war (die Verbände waren z.B. noch nicht aufgebaut) musste man sich zunächst mit Freundschaftsspielen über Wasser halten.
Mehrfach trugen die neu formierten Concorden (in Oberhemden als Trikots) Freundschaftsspiele gegen die englische Besatzungsmacht aus. So freundschaftlich, wie es man sich denken konnte, verliefen diese Spiele jedoch längst nicht immer. Verloren die Besatzer etwa, hatten sie im Emsbürener Schiedsrichter Karl Silies schnell einen Schuldigen gefunden und ”verhauten” ihn.

Die Concorden (in hellen Hemden) und die Besatzungself in Freundschaft vereint
Der Transport zu Auswärtsspielen verlief in den Nachkriegsjahren alles andere als komfortabel. Häufig wurde auch über lange Strecken das Fahrrad eingesetzt. Da von den ”Drahteseln” aber auch noch nicht genügend vorhanden waren, fuhr bzw. lief die Mannschaft zeitlich verzögert in Gruppen los und benutzte unterwegs die wenigen Fahrräder staffettenweise. Glück hatte man, dass der spätere Bürgermeister Franz Silies von den Engländern einen alten Armee-LKW erworben hatte, den er ausnahmsweise gewerblich nutzen durfte (das Fahren mit PKW war im strengen Besatzungsrecht verboten). Auf diesem LKW fand eine ganze Fußballmannschaft Platz, und so konnte man sehr bequem zu gewissen Auswärtsspielen gelangen. Franz Silies ging das Risiko ein, denn eigentlich durfte er den LKW nur gewerblich nutzen.
Sportlicher Aufstieg in den 50er Jahren
In den 50er Jahren des 20. Jahrhundert erbrachten die Fußballer des SV Concordia durchaus respektable Leistungen. Als nach dem Krieg der Spielbetrieb erstmals wieder organisiert stattfand, wurde unser Verein -für damalige Verhältnisse schon äußerst bemerkenswert- der Bezirksklasse zugeordnet. Aus dieser musste man sich aber wieder verabschieden und spielte danach in der Kreisklasse eine führende Rolle.
Nun gab es von den Schülern bis zu den Senioren spielbereite Mannschaften, und so kam es in den letzten Jahren dieses Jahrzehnts zu einer erstaunlichen Blüte. Was wirklich in den Beinen der Fußballer saß, erwies sich 1956, als Concordia sensationell (damals hatte dieses Wort noch die Bedeutung, die es wirklich verdient) im emsländischen DFB-Pokalwettbewerb (damals auch die Grafschaft Bentheim zugehörig) nicht nur bis ins Endspiel gelangte, sondern hier auch noch den Amateur-Oberligisten Sparta Nordhorn (zweithöchste damals eingerichtete Liga.) in Emsbüren mit 3:2 schlug. Die Presse ”überschlug” sich!

Vor dem Anpfiff des Pokalendspiels. Concordia links, der Nordhorner ”Zweitligist” rechts
Ab 1960 in der dritthöchsten Liga, der Amateurliga.
Dass hier nicht zufällig talentierte Fußballspieler heranreiften, erwies sich spätestens 1960. Nach einem Durchmarsch in der Bezirksklasse, wo man 1959 Meister wurde, stieg man in die ”Amateurliga, Staffel 8” auf, der dritthöchsten damals eingerichteten Liga. Für einen Ort knapp mehr als 1000 Einwohnern war dies damals wirklich sensationell. Man befand sich mit den emsländischen Stadtvereinen SV Meppen, TuS Lingen, Germania Papenburg und SV Haselünne in der höchsten regionalen Liga. Nur Sparta und vor allem Eintracht Nordhorn waren noch hochklassiger.

Sie stiegen 1960 in die Amateurliga auf.
Mit Einführung einer Spielklassenreform wurde Concordia 1964/65 der neuen, eingleisigen ”Bezirksliga Osnabrück/Emsland” zugeordnet. Auf Ebene des Altkreises Lingen spielte man aber, zusammen mit dem TuS Lingen und Alemannia Salzbergen, in der höchste Spielklasse, und schnitt in dem Jahr als bester Verein des gesamten Kreises ab.
In der Jugendarbeit legte man gleichzeitig den Grundstock für geeigneten Nachwuchs. Die erste A-Jugend befand sich in der damals höchsten A-Jugendklasse, der Bezirksklasse.
1969 jedoch stieg Concordia in die Bezirksklasse ab, in der man sich jetzt 14 Jahre lang aufhalten sollte. Aber auch hier spielten weiterhin Talente, die im gesamten Bezirk ”gefürchtet” waren.
Ab 1969 hin zum Breitensportverein!
Vor allem der Tatsache, dass der Ort Emsbüren zu einem Schulschwerpunkt ausgebaut wurde, war es zu verdanken, dass die sportlichen Interessen reichhaltiger wurden. Innerhalb von sechs Jahren kamen sechs neue Abteilungen und Sportarten hinzu, die im Emsland und teilweise darüber hinaus bemerkenswerte Anerkennung und Erfolge feierten.

Schwimmabteilung 1975 mit H.Dulle
Sportlicher Abstieg im Fußball in den 80ern.
Während es im Gesamtverein ausgezeichnet lief und die Mitgliederzahlen rasant in die Höhe schnellten (Concordia wurde zum Großverein), kam es ab 1983 für die Fußballer zum sportlichen Abstieg.
Die erste Seniorenmannschaft musste den Weg in die Kreisliga antreten und darauf sogar in die erste Kreisklasse. Erst Anfang der 90er Jahre sollte es wieder bergauf gehen. Der Grund für den späteren Leistungsanstieg ist einer der enormen Jugendarbeit ab 1983 zu suchen.
Vor allem die Rahmenprogramme mit zahlreichen Betreuern machten Concordia für viele Kinder und Jugendliche attraktiv. So konnte man langsam, aber beständig das Leistungsniveau im Seniorenbereich wieder aufbauen.
Sport-, Spiel- und Freizeitpark Hanwische als Initialzündung
In den 90er Jahren wuchs Concordia zu einem modernen Sportverein heran. In diesen Jahren (aber auch schon kurz zuvor) ließ man weitere Abteilungen zu, die sich aus den typischen Interessen der neuen Zeit ergaben (z.B. Lauftreff, Taekwondo, Wirbelsäulengymnastik, Herzsport usw.).
Die Vorstände des Vereins hatten bereits in den 70er Jahren um ein neues Sportzentrum gekämpft, denn die Bedingungen für Concordia waren alles andere als rosig. Aber erst in den 90ern wurde ein solches Realität. Nach dem Motto ”Wenn schon- denn schon“ wurde bis zum Jubiläumsjahr 1994 (75-jähriges Bestehen) ein geradezu vorbildliches, modernes und multifunktionales Sport-, Spiel- und Freizeitgelände an der Hanwische Straße erstellt und übernommen.

Dieses neue Gelände und der Bau eines Vereinshauses (”Haus Concordia”) in diesem Gelände, das drei Jahre später 1997 bezugsfertig war, brachten einen weiteren immensen Schub in der Entwicklung des Vereins.

Das ”Haus Concordia” als wiederaufgebautes Bauernfachwerkgebäude in der Erstellung.
Die Fußballer schafften nach einer erneuten ”erschwerenden” Spielklassenreform über die Emslandliga wieder den Sprung in die nun aufgewertete Bezirksklasse. Experten behaupteten, dass diese Mannschaft die seit Jahrzehnten stärkste in der Vereinsgeschichte sei.
Aber auch andere Abteilungen (z.B. die Schwimmer und die Leichtathleten) feierten den 90ern Erfolge bis in die Landesspitze hinein.

Talentierte Leichtathleten ließen aufhorchen im Langstreckenlauf.
So stand Concordia zum Jahrtausendwechsel als Sportverein da, der moderne Strukturen aufwies und als Vielspartenverein Anerkennung gefunden hatte. |